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Fachbeitrag des Monats: Wasser ist nicht Wasser

Einmal im Monat veröffentlicht das Fachportal „IAD – Industriearmaturen & Dichtungstechnik“ einen exklusiven Fachartikel aus dem aktuellen Heft. Diesen Monat geht es um Lösungen für ganz spezielle Herausforderungen in der Wassertechnik.

von | 20.05.26

Die Absperrklappe Z011-A, die doppelexzentrische Absperrklappe WS112 und der WB-Plattenschieber sind nur drei Beispiele aus dem EBRO-Sortiment für die Wassertechnik.
Quelle: EBRO
EBRO ARMATUREN, Gebr. Bröer GmbH

Beim Stichwort Wassertechnik kommt einem meist zuerst die Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser in den Sinn. Das ist aber bei weitem nicht die einzige Anwendung, bei der Wasserströme geregelt werden müssen. Die Arma­turen, die bei diesen Applikationen zum Einsatz kommen, unterliegen dabei aber noch einmal ganz anderen Anforderun­gen als reine Trinkwasserarmaturen.

Wasser ist für das Leben auf dem Planeten unerlässlich und bei einer Menge von rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern könnte man denken, es gäbe genug. Aber nur rund 2,5 % davon sind Süßwasser und gerade einmal 0,007 % sind direkt und relativ leicht verfügbares Trinkwasser in Seen, Flüssen oder flachem Grundwasser. Wasser ist also ein besonders schüt­zenswertes Gut und es verwundert nicht, dass Trinkwasser eines der am besten überwachten Lebensmittel ist und auf höchste Reinheit bei Gewin­nung, Aufbereitung und Verteilung zu achten ist.

Wasser ist aber eben nicht immer nur reines Trinkwasser. Wie sieht es mit Was­ser aus, das in eine Baugrube eindringt oder das als Prozesswasser z. B. bei der Verarbeitung von Lebensmitteln zum Einsatz kommt? Auch hier gilt es, Was­ser sicher zu transportieren und Strö­me zu regeln. Aber es geht dann eben nicht mehr um „reines, klares“ Trink­wasser, sondern um Wasser mit einer Vielzahl von völlig unterschiedlichen Verunreinigungen.

Anspruchsvollste Anforderun­gen für die eingesetzten Armaturen

Aus diesen oft problematischen Bei­mischungen ergeben sich auch für die eingesetzten Armaturen besondere Aufgabenstellungen.

Eine auch noch so hochwertige „nor­male“ Trinkwasserarmatur hilft dann nicht weiter. Gefragt sind vielmehr individuelle Lösungen, z. B. mit auf die Anwendung abgestimmten Materialien für Klappenscheibe und Manschette.

Gerade bei verunreinigtem Wasser erge­ben sich besondere Anforderungen an die Qualität einer Armatur und an deren Langlebigkeit, um die notwendige Prozesssicherheit zu gewährleisten. Zudem hat ein wirtschaftlicher Betrieb höchs­te Priorität. EBRO setzt auf Antriebe, die exakt zur Anwendung passen – nicht größer als nötig, aber leistungsstark genug für einen sicheren Prozess. Dies reduziert den Energiebedarf und macht die Automatisierung effizient und nachhaltig.

Beides ist nur dann sinnvoll zu erreichen, wenn alle Komponenten von der Arma­tur mit ihren Details bis zum Antrieb optimal aufeinander abgestimmt sind. Gefragt sind dafür Experten mit einer hohen Expertise und jahrzehntelanger Erfahrung in Bezug auf die höchst unter­schiedlichen Einsatzszenarien.

Genau das ist der Ansatz bei EBRO, wo kompetente Ansprechpartner die optimale Kombination aus Armatur, Antrieb und Automatisierungstechnik aus einer Hand zusammenstellen und wo viele Aufgabenstellungen auch im eigenen Technikum getestet werden können.

Klappen für jeden Einsatzzweck

Ihre universelle Einsetzbarkeit zeich­net die weichdichtende Absperrklap­pe Z011-A von EBRO aus. Dank der besonderen Konstruktion sind nur die Klappenscheibe und die Manschette medienberührt. Die Absperrklappe verfügt in den meisten Typen über eine geteilte Welle, was zusammen mit der Gestaltung der Klappenschei­be für einen geringen Widerstand und daher eine hohe Energieeffizienz sorgt. Zudem ist die Wartung – sowohl bei Scheibe als auch Manschette – einfach durchzuführen.

Mit einer breiten Auswahl möglicher Werkstoffkombinationen deckt die Z011-A eine Vielzahl von Anwen­dungen ab. Das gilt sowohl für die Klappenscheibe, die z. B. aus Edel­stahl bestehen oder beschichtet sein kann, aber für die auch zahlreiche Beschichtungen möglich sind, als auch für die Manschette, die u. a. in NBR, EPDM, CSM oder FKM erhältlich ist. Und nicht zuletzt ist eine Vielzahl von Außenbeschichtungen möglich, denn die Armaturen sind bei ihrem Einsatz auch Witterungseinflüssen wie Sonne, Regen und Schnee oder Dämp­fen in Produktion, auch als „aggressi­ve Luft“ bezeichnet, ausgesetzt. Ein hochwertiger Korrosionsschutz ist also entscheidend. So ist bei EBRO unter anderem eine hochwertige Industrie­beschichtung nach dem CS3 Coating System möglich, ebenfalls individuell angepasst.

Ein weiteres wichtiges Produkt ist die doppelexzentrische Absperrklappe WS112 mit ihrer „Seal-on-Disc“-Kon­struktion für eine langlebige Perfor­mance und ein niedriges Drehmoment beim Öffnen und Schließen.

Beim Thema Antrieb setzt EBRO auf Eigenfertigung – sowohl pneumati­sche als auch elektrische Modelle wer­den selbst entwickelt und hergestellt. Das stellt sicher, dass die verbauten Antriebe optimal auf die Kennlinien der Armatur abgestimmt sind, eine Überdimensionierung sicher vermie­den wird und damit eine hohe Ener­gieeffizienz sichergestellt wird. Dane­ben ist selbstverständlich auch die Kombination mit Antrieben anderer Hersteller möglich, die vollkonfektio­niert mit der Armatur geliefert werden.

Sicherheit und Langlebigkeit für eine Vielzahl von Wasser-Anwendungen

Wie das nun genau in der Praxis aus­sieht, zeigen einige Beispiele, die deut­lich machen, wie unterschiedlich die Anforderungen sind.

Ende 2018 endete die Steinkohleför­derung in Nordrhein-Westfalen. Aber damit hört die Arbeit dort nicht auf, denn es sind auf Jahrzehnte hinaus Sicherungs- und Überwachungsaufga­ben notwendig. Dazu zählt insbeson­dere die Grubenwasserhaltung. Wasser dringt in die Grube ein und gefährdet damit das Trinkwasser, mit dem es sich nicht vermischen darf. Zugleich besteht das Risiko hydrostatischer Schäden. Was bleibt, ist das Gruben­wasser abzupumpen – und das auf unbestimmte Zeit.

Grubenwasser ist stark belastet, bei­spielsweise mit Sulfaten und Eisen. EBRO setzt daher für Anlagen in NRW bei den Klappenscheiben auf Duplex-Stähle, also hochfeste, korrosionsbeständige Edel­stähle. Was genau zum Einsatz kommt, können die Experten von EBRO dabei auf Basis ihrer Erfahrung und der vor­liegenden Analyse sicher beurteilen. So kommen beispielsweise beim Braunkoh­letagebau in der Lausitz wieder andere Werkstoffe zum Einsatz, wie V4A- oder CrNiMo-Stahl, die nur bei wenigen Anbietern erhältlich sind.

Bei der Verlegung von Pipelines und Stromleitungen sind spezielle Werkstoffe bei den eingesetzten Armaturen notwendig. (Quelle: EBRO)

Bei der Verlegung von Pipelines und Stromleitungen sind spezielle Werkstoffe bei den eingesetzten Armaturen notwendig. (Quelle: EBRO)

Ebenfalls um den Schutz des Grund­wassers geht es bei Tunneln – als Straßen- oder Eisenbahntunnel – unter Flüssen. Das Wasser läuft hier beidseitig ein und muss zuverlässig abgesaugt werden. Aufgrund der Belastung kann es aber nicht wieder direkt in den Fluss geleitet werden, sondern muss zuvor in Filteranlagen gereinigt werden. Ähnliche Aufgaben sind auch zu bewältigen bei Bauprojekten, deren Baugruben bis auf das Grundwasserniveau reichen, bei der Verlegung von unterirdischen Stromleitungen oder z. B. auch bei der Sanierung von Raffinerien oder alten Chemieanlagen.

Prozesse wirtschaftlich gestalten

In allen Fällen wird das mit Fremd­stoffen belastete Wasser in große Filter geleitet und regelmäßig erfolgt ein automatisiertes Rückspülen und Aufsprudeln, sodass die Feststoffe dann aus dem Filter entfernt werden können. Dazu ist ein sicheres Öffnen und Schließen der Armatur nötig. Dies erfolgt meist mit einem elektrischen Antrieb, die bei EBRO selbst entwi­ckelt und produziert werden und damit eine exakt passende Kombi­nation mit der Absperrklappe bilden – immer abgestimmt auf die eingesetz­ten Werkstoffe von Scheibe und Man­schette und die daraus resultierenden Drehmomente.

Dies ist noch wichtiger, wenn die Absperrklappe für Regelaufgaben ver­wendet wird. Mit der entsprechenden Stellung der Scheibe wird eine Ver­engung des Querschnitts und damit eine Reduzierung des Durchflusses erreicht – und das deutlich wirtschaft­licher als beispielsweise mit einem Ringkolbenventil.

Filtrationsanlagen, bei denen ein regelmäßiges Rückspülen und Aufsprudeln stattfindet, sind weitere Einsatzgebiete für EBRO Absperrklappen. (Quelle: EBRO)

Filtrationsanlagen, bei denen ein regelmäßiges Rückspülen und Aufsprudeln stattfindet, sind weitere Einsatzgebiete für EBRO Absperrklappen. (Quelle: EBRO)

Auch in der Lebensmittelindust­rie ist die Wassertechnik wichtig, z. B. in der Zuckerfabrik oder bei der Reinigung und Aufbereitung von Gemüse. Durch das Design der EBRO Z011-A hat das Prozesswasser nur Kontakt mit der Manschette. Und die Außenbeschichtung der Armatur sorgt für einen optimalen Korrosi­onsschutz, gerade in feucht-warmen Produktionsumgebungen.

Bleibt ein letzter wichtiger Punkt in der Wassertechnik: das Thema Abwasser. Absperrklappen kommen dann häu­fig in der vierten Reinigungsstufe einer Kläranlage zum Einsatz, wenn noch letzte Sedimente und feinere Fest­stoffe im Wasser vorhanden sind. Die ersten Stufen sind dagegen die Domä­ne von Stafsjö-Schiebern, die mit inte­grierter Flanschdichtung ebenfalls im EBRO-Programm erhältlich sind.

Besonders geeignet für die Phosphor- Rückgewinnung aus Klärschlamm sind Regelschieber von EBRO, bei denen mithilfe einer V-Blende eine feine Regelung möglich ist – und die bewei­sen, dass für die höchst individuellen Aufgaben in der Wassertechnik immer Experten gefragt sind.


Bernd Krogmann
Key-Account-Manager Wassertechnik
EBRO ARMATUREN, Gebr. Bröer GmbH

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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