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Berufswunsch Ingenieurin – die erste Mathestunde hat den Grundstein gelegt

Wenn Anna Yarysh über Maschinenbau spricht, spürt man sofort: Hier redet jemand mit Herz und Verstand – und mit einer klaren Vision. Die gebürtige Ukrainerin hat sich von glänzenden Metallspänen ihrer Kindheit bis zur technischen Projektleitung bei einem Berliner Sondermaschinenbauer vorgearbeitet.

von | 25.09.25

„Ich wollte schon immer dahin, wo Technik wirklich passiert“, sagt die Ingenieurin Anna Yarysh.
Quelle: Anna Yarysh
Berufswunsch Ingenieurin – die erste Mathestunde hat den Grundstein gelegt

Ihr Weg führte sie über zwei Masterabschlüsse, durch internationale Forschungsinstitute, bis hin zu Produktionslinien der Batteriezellenfertigung. Im Gespräch mit IAD berichtet die Ingenieurin über ihre Leidenschaft für technische Innovationen und warum sie an das Potenzial weiblicher Fachkräfte glaubt.

Frau Yarysh, wann wussten Sie, dass Technik Ihre berufliche Zukunft prägen wird?

Anna Yarysh: Schon als Schülerin waren Mathe und Physik meine Lieblingsfächer – sie sind mir leichtgefallen. In der ersten Mathestunde war mir klar, dass ich mit Zahlen zu tun haben möchte. Aber der entscheidende Impuls kam durch meinen Vater. Ich durfte ihn als Kind oft in die Metallbearbeitungshalle begleiten, die er leitete. Diese Atmosphäre – das Brummen der Maschinen, glänzende Metallspäne, der Geruch von Schmierstoff – das hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Sie haben sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland studiert – wie haben diese beiden Welten Ihre Sicht auf Technik und Innovation geprägt?

Anna Yarysh: Ich bin einen langen Weg gegangen, um endlich meiner Leidenschaft völlig nachzugehen. Nach dem Masterabschluss in der Ukraine habe ich vier Jahre lang berufliche Erfahrungen als Ingenieurin in diversen Maschinenbau-Fachgebieten gesammelt. Als Entwicklungsingenieurin des Unternehmens für spezialisierten Gerätebau Arsenal in Kyiw habe ich dynamische Prüfungen der Beschleunigungssensoren durchgeführt. Während des Studiums in HTW Berlin habe ich als Werkstudentin an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung gearbeitet, anschließend habe ich da auch meine Masterarbeit zum Thema Untersuchung des lokalen Cr-Transports in Fe86Cr12Co2 Legierung durch 3D-Metallographie geschrieben.

Im September 2022 bin ich ins Bereich Batteriezellenfertigung bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg eingestiegen. Im Rahmen meiner Arbeit habe ich unmittelbar die innovativen Technologien der Elektrofahrzeugindustrie kennengelernt, unter anderem habe ich die Inbetriebnahme von Produktionsanlagen begleitet. Seit Juli 2023 arbeite ich als Technische Projektleiterin in Sondermaschinenbau im Bereich Energiespeicher bei Fa. Jonas & Redmann in Berlin.

Sie haben Stationen bei Tesla, der BAM und nun Jonas & Redmann durchlaufen – welche berufliche Erfahrung hat Sie besonders geprägt?

Anna Yarysh: Meine berufliche Erfahrung hat die Fa. Jonas & Redmann besonders geprägt. Ich arbeite dort im Bereich erneuerbare Energie. Es freut mich, dass ich neben der technischen Entwicklung auch meinen Beitrag zur grünen Energie leisten kann.

Wie erleben Sie die Verbindung von Maschinenbau und Nachhaltigkeit in Ihrer jetzigen Rolle im Bereich Energiespeicher?

Anna Yarysh: Ich finde es sehr motivierend, dass meine Arbeit zur Energiewende beiträgt. Bei Jonas & Redmann entwickeln wir Sondermaschinen für die Produktion von Energiespeichersystemen. Zu wissen, dass ich nicht nur technisch wirke, sondern auch gesellschaftlich etwas bewegen kann, ist für mich besonders sinnstiftend.

Was schätzen Sie besonders an der Arbeit in einem technologiegetriebenen Unternehmen? Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Anna Yarysh: Mein Tag bei Jonas & Redmann ist sehr abwechslungsreich – vom Teammeeting am Morgen bis zu den technischen Herausforderungen an den Maschinen. Besonders spannend finde ich Projekte, bei denen wir neue Lösungen für automatisierte Produktionslinien entwickeln. Es gibt nichts Schöneres, als zu sehen, wie eine Idee Stück für Stück Form annimmt – und am Ende in einer funktionierenden Anlage lebt.

Auch in ihrer Freizeit immer in Bewegung. (Quelle: Anna Yarysh)

Auch in ihrer Freizeit immer in Bewegung. (Quelle: Anna Yarysh)

Wie reagieren Kolleg:innen – insbesondere Männer – auf Sie als Frau in technischer Führungsrolle?

Anna Yarysh: Ich bin oft die einzige Frau im Team. Aber ich habe mit der Zeit gelernt, damit umzugehen. Anfangs war das nicht immer leicht – heute habe ich die richtige innere Einstellung. Ich glaube daran, dass unterschiedliche Herangehensweisen – männlich wie weiblich – ein Team bereichern. Vielfalt ist kein Hindernis, sondern ein Vorteil.

Gab es auf Ihrem Weg Momente des Zweifelns – und wenn ja, was hat Ihnen geholfen, weiterzugehen?

Anna Yarysh: Natürlich gibt es im Leben nicht nur gute Tage. Aber ich hatte das Glück, eine Familie zu haben, die mich auf meinem Weg immer unterstützt hat. Auch mein Fokus auf die eigenen Ziele – Schritt für Schritt – hat mir geholfen, mich nicht entmutigen zu lassen.

Stichwort Fachkräftemangel. Was könnte Deutschland besser machen?

Anna Yarysh: Deutschland könnte offener sein für Fachkräfte aus dem Ausland. Das deutsche Studium ist hier immer noch das Nonplusultra, dementsprechend haben es z. B. Frauen aus der Ukraine schwerer, obwohl sie die deutsche Sprache gut beherrschen. Ich kenne einige Frauen, die sehr motiviert sind, aber keine Chance bekommen. Ich würde mir wünschen, dass die Verfahren überarbeitet werden und alle die gleichen Chancen bekommen.

Welche Botschaft möchten Sie jungen Frauen mitgeben, die sich Beruf als Ingenieurin interessieren, aber noch zögern?

Anna Yarysh: Zwar müssen Frauen in der Industriebranche etwas mehr Mühe geben, um erfolgreich zu sein, ist es doch kein Grund von dem Weg abzukommen. Es hat mir immer geholfen den Fokus fest auf meine Aufgaben und meine Arbeit zu setzen, um Schritt für Schritt ans Ziel zu kommen.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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