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„Man wächst genau dann, wenn es unbequem wird“

Industrie entsteht nicht im Konferenzraum. Sie entsteht dort, wo es laut ist, eng getaktet und oft keine zweite Chance gibt. Wo Technik laufen muss und Entscheidungen sofort Wirkung zeigen. Genau dort ist Jana Woyand zu Hause. Seit Dezember 2025 arbeitet sie als Regional Sales & Marketingmanagerin bei NOPA und verantwortet zentrale Vertriebs- und Marketingaktivitäten in der Industrie – nah am Kunden, nah an der Realität des Betriebs.

von | 28.05.26

Jana Woyand auf Geschäftsreise in Istanbul.
Quelle: privat
„Man wächst genau dann, wenn es unbequem wird“

Ihr Weg dorthin ist alles andere als gradlinig. Schifffahrt, tech­nische Serviceprozesse, später Vertrieb, Marketing und strategische Kommunikation. Kein vorgezeichneter Karrierepfad, sondern einer, den sich Jana Woyand selbst erarbeitet hat. Was sie antreibt, ist nicht die perfekte Linie im Lebenslauf. Es ist der Anspruch, Dinge zum Laufen zu bringen, auch dann, wenn es komplex wird.

Frau Woyand, welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Jana Woyand: Einen konkreten Berufswunsch hatte ich als Kind nicht – aber wie wahrscheinlich viele junge Mädchen wollte ich Sängerin werden. Heute singe ich nur noch unter der Dusche oder im Auto auf dem Weg zum Kundentermin.

Welche Stationen haben Ihren Weg besonders geprägt?

Jana Woyand: Mein Einstieg war die Schifffahrt. Dort habe ich früh technische und operative Abläufe kennengelernt. Anschlie­ßend war ich im Hydraulikbereich tätig und habe Serviceeinsät­ze auf Schiffen organisiert – sehr praxisnah und nah am realen Betrieb. Prägend war vor allem meine Zeit bei der Schley Arma­turen GmbH, zuletzt als Head of Sales & Marketing. Dort habe ich gelernt, Technik, Vertrieb und Kommunikation zusammenzuden­ken. Ergänzt wurde das durch meine berufsbegleitenden Wei­terbildungen zur Industriefachwirtin und Betriebswirtin sowie meine Zeit in einer Marketingagentur. Heute verbinde ich diese Erfahrungen in meiner aktuellen Rolle und meiner selbststän­digen Tätigkeit.

Parallel dazu haben Sie sich ein eigenes Standbein aufgebaut. Was genau machen Sie in Ihrer Selbstständigkeit?

Jana Woyand: Seit Juni 2021 bin ich nebenberuflich selbststän­dig in der B2B-Beratung. Ich unterstütze Unternehmen aus der Industrie, der Schifffahrt und der Medizintechnik dabei, LinkedIn strategisch aufzubauen und operativ zu nutzen. Konkret bedeu­tet das: Ich schärfe Positionierungen, entwickle klare Strukturen und implementiere LinkedIn als echtes Vertriebstool – nicht nur als Präsenz, sondern als aktiven Bestandteil im Vertrieb.

„Komplexität der Industrie wird häufig unterschätzt“

Sie haben mehrfach bewusst Ihre Komfortzone verlassen. Was war die mutigste Entscheidung?

Jana Woyand: Rückblickend waren es mehrere mutige Entschei­dungen. Der erste Schritt war meine nebenberufliche Selbst­ständigkeit. Parallel zum Job etwas Eigenes aufzubauen, bringt Unsicherheit mit sich – und erfordert vor allem den Glauben an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Am meisten Überwin­dung hat mich jedoch der bewusste Branchenwechsel gekostet – raus aus der Industrie, rein ins Marketing. Dieser Schritt war für mich der herausforderndste, weil ich ein vertrautes Umfeld ver­lassen habe. Gleichzeitig hat er meinen Blick deutlich erweitert und prägt meine Arbeit bis heute.

Was bedeutet Erfolg für Sie – jenseits von Zahlen?

Jana Woyand: Erfolg bedeutet für mich nicht nur messbare Ergebnisse, sondern den eigenen Weg bewusst zu gehen und dabei mit sich selbst im Reinen zu sein. Im beruflichen Kontext zeigt sich Erfolg für mich, wenn aus Ideen klare Strukturen entstehen, Zusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert und Lösungen entstehen, die im Alltag wirklich tragen. Gleichzeitig bedeutet Erfolg für mich, mir ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das zu mir passt – mit Gestaltungsspielraum und dem Gefühl, mit dem, was ich tue, einen echten Mehrwert zu leisten.

Ihr Arbeitsalltag bewegt sich stark an Schnittstellen. Was macht für Sie den Reiz aus?

Jana Woyand: Die Abwechslung. Ich arbeite strategisch, ope­rativ und im direkten Austausch mit Kunden und Partnern. Die Kür ist für mich die strategische Arbeit. Wenn aus Ideen konkrete Lösungen entstehen. Die Pflicht sind organisatori­sche Themen im Hintergrund. Wichtig ist aber beides. Was mich antreibt, ist die Kombination aus Technik, Vertrieb und Kommunikation.

Was wird an der Industrie oft falsch eingeschätzt?

Jana Woyand: Die Komplexität wird oft unterschätzt. Viele Prozesse wirken nach außen standardisiert, sind in der Rea­lität aber hochindividuell und erfordern viel Erfahrung sowie ein tiefes Verständnis für den Betrieb. Auch die Verantwortung wird häufig nicht gesehen – denn am Ende müssen Systeme zuverlässig funktionieren.

Und welche Seiten sind unbequem, aber gehören dazu?

Jana Woyand: Zeitdruck, viele Abstimmungen, Entscheidungen unter realen Bedingungen. Die Industrie ist nicht glamourös – aber genau das macht sie ehrlich. Vieles passiert im Hintergrund, strukturiert und mit hoher Detailtiefe.

Jana Woyand wünscht sich mutige Frauen

Wann hatten Sie das Gefühl, angekommen zu sein?

Jana Woyand: Das war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Gerade am Anfang musste ich mich oft erklären – zum Beispiel in Gesprächen oder auf Messen. Mit der Zeit hat sich das spürbar verändert. Heute kommen Kunden gezielt auf mich zu oder suchen bewusst den Austausch mit mir. Daran habe ich gemerkt: Ich werde fachlich ernst genommen.

Wo sehen Sie konkret Handlungsbedarf in der Branche?

Jana Woyand: Bei den Rahmenbedingungen für Frauen.  Gleiche Leistung sollte selbstverständlich gleich bewertet und vergütet werden. Außerdem braucht es mehr Vertrauen und Sichtbarkeit. Frauen sind in vielen Bereichen noch unterreprä­sentiert, obwohl sie fachlich genauso stark sind. Kompetenz sollte im Vordergrund stehen – nicht Rollenbilder.

Welche Fähigkeiten werden in Zukunft entscheidend sein?

Jana Woyand: Die Fähigkeit, über Schnittstellen hinweg zu denken und Zusammenhänge zu verstehen. Technik, Vertrieb und Prozesse zusammenzubringen, wird immer wichtiger. Gleichzeitig gewinnen Digitalisierung und der Umgang mit KI zunehmend an Bedeutung. Ergänzt wird das durch die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Gab es Momente, in denen Sie gezweifelt haben?

Jana Woyand: Ja, vor allem in Phasen der Veränderung. Wenn man bewusst die Komfortzone verlässt, entsteht immer auch Unsicherheit. Gleichzeitig sind genau das die Momente, in denen Entwicklung passiert. Entscheidend ist, trotzdem weiterzugehen.

Gibt es eine Situation, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Jana Woyand: Meine erste Messe nach drei Monaten im Job: Ich war Anfang 20 und wollte unbedingt aktiv auf Kunden zugehen. Also sagte ich zu einem Besucher: „Sie sehen aus, als könnten Sie ein Druckminderventil gebrauchen.“ Er antwortete: „Sehe ich aus, als hätte ich so viel Druck?“ – ich: „Vielleicht ein bisschen?“ Wir mussten beide lachen. Damals war mir das unangenehm, heute sehe ich es als einen Moment, in dem man einfach ins kalte Wasser springt und daran wächst.

Ihr Rat an Frauen, die in die Industrie wollen?

Jana Woyand: Geht euren eigenen Weg und lasst euch nicht verunsichern. Nutzt Netzwerke, tauscht euch aus und bleibt vor allem authentisch. Und habt den Mut, auch ins Ungewisse zu gehen – genau dort entsteht Entwicklung. Wenn ich euch ein Stück auf diesem Weg unterstützen kann, stehe ich gerne als Sparringspartnerin zur Verfügung.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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