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Notbetrieb statt Produktion: Stillstand bei Chemieanlagen in Leuna und Premnitz

Die Insolvenz des Chemiekonzerns Domo Chemicals hat schwerwiegende Folgen für die ostdeutsche Chemieindustrie. An den Standorten Leuna in Sachsen-Anhalt und Premnitz in Brandenburg ist die Produktion nahezu vollständig eingestellt worden.

von | 14.01.26

Rund 600 Arbeitsplätze stehen am Standort Leuna auf dem Spiel.
Quelle: Domo Chemicals
Notbetrieb statt Produktion: Stillstand bei Chemieanlagen in Leuna und Premnitz

Die Chemieanlagen werden derzeit nur noch im Notbetrieb gefahren, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden und einen kontrollierten Stillstand zu gewährleisten.

Auslöser der Insolvenz ist nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas F. Flöther das Scheitern von Verhandlungen über eine notwendige Zwischenfinanzierung. Insbesondere ein sogenanntes Massedarlehen, das den laufenden Betrieb hätte absichern sollen, kam nicht zustande. Ohne diese finanzielle Unterstützung sei eine Fortführung der Produktion wirtschaftlich nicht mehr möglich gewesen.

In Leuna sind vor allem die Domo Caproleuna GmbH mit rund 480 Beschäftigten sowie die Domo Chemicals GmbH mit weiteren etwa 35 Mitarbeitenden betroffen. Am Standort Premnitz arbeiten rund 70 Beschäftigte für das Unternehmen. Insgesamt bangen damit fast 600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um ihre Zukunft. Die Löhne und Gehälter sind derzeit über das Insolvenzgeld zunächst abgesichert.

Sicherung der Chemieanlagen hat oberste Priorität

Der Insolvenzverwalter betonte, dass das Herunterfahren der chemischen Anlagen mit großer Sorgfalt erfolgen müsse. Gerade bei komplexen Produktionsprozessen und niedrigen Wintertemperaturen bestehe die Gefahr technischer Schäden, wenn die Anlagen nicht kontrolliert stillgelegt würden. Der aktuelle Notbetrieb diene ausschließlich der technischen Sicherheit, nicht der regulären Produktion.

Ob die Anlagen zu einem späteren Zeitpunkt wieder hochgefahren werden können, ist derzeit unklar. Ein längerer Stillstand könnte zu erheblichen Schäden führen und eine Wiederinbetriebnahme deutlich erschweren oder sogar unmöglich machen. Für den traditionsreichen Chemiestandort Leuna wäre ein dauerhafter Produktionsausfall ein schwerer Rückschlag.

Forderung nach politischer Unterstützung

Auch über die Zukunft des Unternehmens herrscht große Unsicherheit. Der Insolvenzverwalter prüft nach eigenen Angaben weiterhin Sanierungs- und Verkaufsmöglichkeiten, konkrete Lösungen sind jedoch bislang nicht absehbar. Die Gewerkschaften kritisieren die Entwicklung scharf und fordern politische Unterstützung, um industrielle Substanz und Arbeitsplätze zu sichern.

Der Chemiepark Leuna gilt als einer der bedeutendsten Industriestandorte in Mitteldeutschland. Die Insolvenz von Domo Chemicals trifft daher nicht nur die Belegschaft, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen zur Zukunft der energie- und kapitalintensiven Chemieindustrie in Deutschland auf.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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