Als Firmengründer Christian Bürkert im Oktober 1971 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, gaben viele dem mittelständischen Unternehmen kaum eine Überlebenschance. Das Land steckte in der Rezession, Rücklagen gab es so gut wie keine. Für Dorothee Bürkert aber war die Entscheidung klar – sie führte das Unternehmen weiter, statt es zu verkaufen.
„Ein bezeichnendes Merkmal Dorles war Treue“, sagt ihr Bruder Ulrich Gauss, ehemals Oberbürgermeister von Waiblingen und heute 94, über seine Schwester. „Für sie kam es praktisch nicht infrage zu sagen: Ich höre auf, weil es schwierig wird.“
Weitsichtig handelte Dorothee Bürkert auch innerhalb des Unternehmens. Unter ihrer Führung wandelte sich die eher patriarchalisch geprägte Firma zu einer kooperativen Organisation.
Schon 1984 verankerte sie Führungsgrundsätze, die den Menschen ins Zentrum stellten – lange bevor Mitarbeiterorientierung zum wirtschaftlichen Schlagwort wurde. Ihre Haltung brachte sie unmissverständlich auf den Punkt:
„Wenn dem Management nichts Besseres einfällt, als aus Kostengründen in Billiglohnländer zu gehen, dann sollten nicht die Mitarbeiter entlassen werden, sondern das Management.“
Freud-und-Leid-Kasse für die Mitarbeiter
Statt wie viele Unternehmen in den 1990er-Jahren die Produktion ins Ausland zu verlagern, schuf Bürkert flexible Strukturen in der Region – ohne Entlassungen.
Das Wirken der studierten Pharmazeutin reichte weit über die Werkstore hinaus.
Bereits 1978 gründete Dorothee Bürkert eine gemeinnützige Stiftung und verwirklichte damit die Idee ihres Mannes, Erträge des Unternehmens dem Gemeinwohl zugutekommen zu lassen. Dieses Vermächtnis wird bis heute fortgeführt.
Für ihr erfolgreiches unternehmerisches Handeln wurde Dorothee Bürkert 1996 mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg geehrt. Die Stadt Ingelfingen ernannte sie zur Ehrenbürgerin.
Bei alldem blieb sie auffallend bescheiden und drängte sich nie in den Vordergrund. Ihre Aufmerksamkeit galt den Menschen.
Sie kannte die Namen der Auszubildenden, begrüßte jeden mit einem persönlichen „Wie geht’s Ihnen?“ und richtete eine „Freud-und-Leid-Kasse“ ein, aus der Beschäftigte in Notlagen Unterstützung erhielten.
Dorothee Bürkert starb am 19. Juli 2012.







